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20.09.2015

Sonntagsgedanken - Eins

Gleichgewicht 
Früher balancierte ich beide Gehirnhälften auf meinem Kopf, hin und hergerissen zwischen zu viel Ego und zu viel Empathie. Immer darauf bedacht, nicht zu viel in den Kopf des anderen zu pflanzen, um genug Platz in meinem zu lassen für fremde Gedanken. Den Sauerstoff in einem Raum zu teilen und nicht alles alleine zu verbrauchen.
Heute balanciere ich zwei Welten.
Ich spreche in einer anderen Sprache und denke weiter in meiner und ich versuche wieder, einen Raum zu schaffen, in der ein Gleichgewicht besteht.
Aber das ist schwer, denn meine Gedanken kreisen weiter in dieser Nische, die ich verlassen habe, um eine andere zu finden, in der ich erst ankommen muss.
Ich senke den Blick, weil es einfacher ist, in dem zu leben, was in den rauen Gehirnwindungen hängen geblieben ist, bevor ich gegangen bin. Manchmal hebe ich den Kopf und sauge die Bilder in mir auf, bevor er wieder zu schwer wird und ich nur den dreckigen Asphalt betrachte. Doch von Mal zu Mal wird es leichter, den Kopf zu balancieren, manchmal den Blick vorbei an verwaschenen Hausfassaden in Richtung Himmel zu richten.